Portrait Adele Spitzeder, Bleistiftzeichnung von Gustave Zorn, Wildbad 1877
€ 340.-
Gustave Zorn, Portrait Adele Spitzeder, Bleistift auf Papier, monogrammiert, bezeichnet, datiert Wildbad 1877.
Zustand gut, vereinzelt minimal fleckig, fest montiert auf grauem Karton. Ca. 17 x 11 cm.
Zur Dargestellten:
Geboren 1832 in Berlin, verstorben 1895 in München. Schauspielerin, Volkssängerin und eine der berühmtesten Betrügerinnen der Kriminalgeschichte des 19. Jahrhunderts. In einer Zeit, in der es weder ein Gesetz zum Kreditwesen gab noch eine Bankenaufsicht, gründete sie mit ihrer Lebensgefährtin eine Privatbank, und dank ihres großartigen Verständnisses dessen, was man heute als "Publicity" bezeichnen würde, avancierte sie in kürzester Zeit zu einer der wohlhabendsten, prominentesten und geachtetsten Persönlichkeiten in München. Nach gut zwei Jahren ungezügelten Reichtums jedoch flog ihr "System" auf, insgesamt 32.000 Bürger wurden um eine Summe geprellt, die nach heutigem Geldwert fast eine halbe Milliarde Euro betragen hatte. Bei ihrer Verhaftung konnten nur knapp 15 Prozent des veruntreuten Vermögens sichergestellt werden, Betrogene begingen Selbstmord, Gemeinden waren ruiniert, und im Gefolge stürzten Banken und die Wirtschaft in eine schwere Krise. Spitzeder unterdessen wurde zu einer recht milden Strafe von 3 Jahren Zuchthaus verurteilt, da das Gericht feststellte, daß sie einerseits nie mit Sicherheiten geworben hatte und es andererseits zu ihren Delikten kaum nennenswerte gesetzliche Regulierungen gab. Nach ihrer Entlassung veröffentlichte sie die im Gefängnis verfassten Memoiren, gründete ein Damenorchster, trat als Volkssängerin auf und führte, unterstützt von Gönnern, ein wohl einfaches, aber weitgehend sorgenfreies Leben.
Zum Künstler:
Geboren 1845 in Mailand, verstorben 1893 in Bordighera. Studium an der Kunstakademie in Karlsruhe, tätig in Karlsruhe und Stuttgart. Schüler von Ferdinand Keller, Portrait- und Pferdemaler.